Gesundheitliche Chancengleichheit
Gesundheitliche Ungleichheiten sind in allen europäischen Ländern dokumentiert. Gesundheits- und Sozialberichte aus Deutschland zeigen, dass bestimmte soziale Gruppen besonders stark belastet sind. Gleichzeitig fehlen Kapazitäten und Ressourcen, um diese Ungleichheiten zu bewältigen. Darüber hinaus gibt es in Deutschland einen deutlichen Zusammenhang zwischen sozialem Status und vorzeitigem Sterben. Die soziallagenbezogene Gesundheitsförderung verfolgt deshalb das Ziel, sozial bedingte gesundheitliche Ungleichheiten zu verringern und damit gesundheitliche Chancengleichheit zu stärken.
Kooperationsverbund "Gesundheitliche Chancengleichheit"
Das Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG) koordiniert gemeinsam mit nationalen Partnerorganisationen den Kooperationsverbund Gesundheitliche Chancengleichheit. Ziel ist es, die soziallagenbezogene Gesundheitsförderung in der öffentlichen Wahrnehmung und praktischen Umsetzung zu fördern und weiter zu entwickeln. Dazu trägt er Maßnahmen und Strategien zur Beseitigung gesundheitlicher Ungleichheit zusammen und schafft dadurch Transparenz. Er unterstützt bei der Vernetzung der Akteure, identifiziert Beispiele guter Praxis und trägt zu ihrer systematischen Verbreitung bei.
Der Kooperationsverbund Gesundheitliche Chancengleichheit wurde 2003 von der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA, 2025 umbenannt in Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit, BIÖG) initiiert Inzwischen sind mehr als 75 Partnerorganisationen darin vertreten, u. a. alle Landesvereinigungen für Gesundheit, alle Spitzenverbände der gesetzlichen Krankenkassen, weitere Krankenkassen, die kommunalen Spitzenverbände, die Bundesagentur für Arbeit, die Bundesärztekammern sowie einige Wohlfahrtsverbände, Landesministerien und wissenschaftliche Zentren. Das Netzwerk wird durch einen Beratenden Arbeitskreis aus Expertinnen und Experten der Wissenschaft und Praxis unterstützt. Mit den Koordinierungsstellen für Gesundheitliche Chancengleichheit verfügt der Kooperationsverbund über eine etablierte Struktur in allen Bundesländern. Sie fördern den Wissensaustausch zwischen den Akteurinnen und Akteuren vor Ort und stärken die Zusammenarbeit über föderale Ebenen hinweg.
European Joint Action PreventNCD
Das Bundesinstitut befasst sich mit der Reduktion sozial bedingter Ungleichheiten in der Gesundheitsförderung und Prävention auch im internationalen Kontext: Die europäische „Joint Action PreventNCD” verfolgt das übergeordnete Ziel, Krebserkrankungen und nicht übertragbare Krankheiten (NCDs) in Europa durch koordinierte Strategien signifikant zu reduzieren. Dazu werden evidenzbasierte und politikwirksame Maßnahmen ergriffen und gesundheitliche Einflussfaktoren systematisch adressiert. An dem Projekt sind über 100 Partner in 25 europäischen Ländern beteiligt. Das Institut
- erstellt eine systematische Sammlung, Aufbereitung und übergreifende Analysedes Forschungsstandes zu gesundheitlichen Ungleichheiten bei Krebs, NCDs und deren zentrale Risikofaktoren
- analysiert, inwieweit politische Rahmenbedingungen zur Reduktion gesundheitlicher Ungleichheiten beitragen oder unbeabsichtigt bestehende Disparitäten verstärken
- entwickelt ein europäisches Metaportal, das einen Überblick zu den Best-Practice-Angeboten vieler europäischer Länder gibt
- erarbeitet und implementiert einen partizipativen Peer-to-Peer-Ansatz zur Stärkung der Gesundheitskompetenz von Menschen mit Migrationserfahrung
Das BIÖG befasst sich darüber hinaus an dem EU-Projekt mit dem Thema „Lessons learned from Covid-19. Effective health communication in crisis and beyond".

Internetangebote
www.gesundheitliche-chancengleichheit.de
Das Internetportal stellt umfassende Informationen zur soziallagenbezogenen Gesundheitsförderung bereit, informiert über aktuelle Veranstaltungen und bietet interaktive Angebote zum fachlichen Austausch. Ein zentrales Element ist die bundesweite Praxisdatenbank mit mehr als 3.000 Projekten, Programmen und Netzwerken der Gesundheitsförderung für sozial Benachteiligte. Die Inhalte können nach Setting, Interventionsfeld, Angebotsart, Zielgruppe, Altersgruppe, Anbieter oder Projektname sowie nach Bundesländern und Orten oder Gemeinden recherchiert werden. Daneben hat der Verbund zwölf Kriterien für die gute Praxis erarbeitet und diese als Broschüre zum Download sowie weitere Materialien zu den Good-Practice-Kriterien veröffentlicht. Sie verdeutlichen, was gute Gesundheitsförderung zur Verbesserung der gesundheitlichen Chancengleichheit ausmacht und geben Orientierung für die Planung und Umsetzung der Maßnahmen.
Das Internetportalder „Joint Action PreventNCD” informiert über das Ziel des Projektes, die verschiedenen Arbeitspakete sowie die beteiligten Institutionen. Ergänzend werden aktuelle Meldungen zum Projekt veröffentlicht sowie Veranstaltungen und weitere Projekte vorgestellt.
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