Studien ab 1997
Befragung von Hausärztinnen und Hausärzten zur Organ- und Gewebespende 2024
Ergebnisse der Repräsentativbefragung 2024
Ergebnisse (barrierefreies PDF-Dokument)
Projekttitel
Repräsentative Befragung von Hausärztinnen und Hausärzten zur Organ- und Gewebespende, 2024
Ziele
- Erhebung der Nutzung und der Umsetzung des im Transplantationsgesetz verankerten Informations- und Beratungsangebots für Patientinnen und Patienten durch Hausärztinnen und Hausärzte
- Erhebung, ob die Informationsmaterialien der BZgA für die Information der Patientinnen und Patienten verwendet werden
- Erhebung der Verbesserungsbedarfe von Seiten der Hausärztinnen und Hausärzte an den Materialien der BZgA zur Organ- und Gewebespende
- Erhebung des Bedarfs an Fortbildungsveranstaltungen
Verfahren der Datenerhebung
Push-to-Web: postalisches Anschreiben mit Zugangsdaten zur Onlinebefragung (CAWI = Computer-Assisted Web Interviewing)
Auswahlverfahren
Zufalls-Stichprobe von 5.000 Praxen, selektiert durch Acxiom Deutschland GmbH. Innerhalb der Zielgruppen repräsentative Verteilung der Stichprobe hinsichtlich der Merkmale Alter, Geschlecht, Region
Stichprobengröße
359 Befragte
Befragungszeitraum
29.01.2024 bis 03.03.2024
Interviewprogrammierung, Stichprobenziehung, Datenerhebung, Gewichtung
INFO GmbH Markt- und Meinungsforschung
Studienplanung, Datenanalyse und Berichterstattung
Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG, vormals Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung), Referat T5 Organ- und Gewebespende, Blut- und Plasmaspende, Köln. Autorinnen: Dr. Daniela Watzke, Dr. Gina Haack, (BIÖG), Maryam Ille, Eileen Liljeberg (INFO GmbH)
Im ersten Quartal 2024 wurde eine repräsentative Befragung von 359 aktiv praktizierenden Allgemeinmedizinerinnen und Allgemeinmedizinern, hausärztlich tätigen Internistinnen und Internisten sowie praktischen Ärztinnen und Ärzten, durchgeführt. Hierbei wurden u. a. Daten zur Information bzw. zur Beratung zur Organ- und Gewebespende im Praxisalltag sowie zur Nutzung und Bestellung von Informationsmaterialien der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) zum Thema erhoben. Außerdem liefert die vorliegende Repräsentativbefragung Informationen dazu, ob und wie die Ärztinnen und Ärzte das in § 2 Absatz 1a Transplantationsgesetz (TPG) fixierte Beratungsangebot umsetzen und welche weiteren Informations- und Unterstützungsbedarfe sich dabei ergeben. Zudem wurde erfasst, welche Fragen und Beratungsthemen sich in Gesprächen von Ärztinnen und Ärzten mit Patientinnen und Patienten über die Organ- und Gewebespende ergeben und wie Patientinnen und Patienten auf die proaktive Ansprache des Themas durch die Hausärztinnen und Hausärzte reagieren. Außerdem wurde erfragt, welche persönliche Einstellung die Hausärzteschaft zur Organ- und Gewebespende hat.
Die überwiegende Mehrheit der befragten Ärztinnen und Ärzte (87 %) schätzte den eigenen Kenntnisstand als ausreichend ein, um ihre Patientinnen und Patienten umfassend zur Organ- und Gewebespende beraten zu können.
Hausärztinnen und Hausärzte wünschten sich vor allem Informationen zu medizinischen Fragen, insbesondere zu Kontraindikationen (54 %) sowie Informationen darüber, dass viele Vorerkrankungen keinen Ausschlussgrund für eine Spende darstellen (43 %).
Das Standardinformationspaket der BZgA mit Materialien zur Aushändigung an Patientinnen und Patienten liegt in sechs von zehn Praxen (59 %) vor und wird in dieser Gruppe von acht von zehn Befragten (84 %) als ausreichend für die umfassende Beratung der Patientinnen und Patienten zur bewertet.
Knapp drei Viertel der Ärztinnen und Ärzte (72 %) haben seit Inkrafttreten des Gesetzes zur Stärkung der Entscheidungsbereitschaft bei der Organspende am 01.03.2022 Informationsmaterialien zur Organ- und Gewebespende ausgehändigt.
Die Mehrheit der befragten Ärztinnen und Ärzte (82 %) hat seit März 2022 Informationsgespräche zur Organ- und Gewebespende mit ihren Patientinnen und Patienten geführt.
Für die Informationsgespräche wendeten knapp die Hälfte (46 %) der beratenden Ärztinnen und Ärzte fünf bis zehn Minuten auf.
Am häufigsten wurden Informationsgespräche zur Organ- und Gewebespende im Kontext von Gesundheits-Check-ups durchgeführt (69 %). Für die Patientinnen und Patienten standen Fragen zu einer oberen Altersgrenze für eine Organ- und Gewebespende (69 %) und ob im Akutfall alles medizinisch Machbare unternommen wird, um ihr Leben zu retten (60 %), im Vordergrund.
Die beratenden Ärztinnen und Ärzte berichteten mehrheitlich von positiven (61 %) oder neutral-offenen (43 %) Reaktionen ihrer Patientinnen und Patienten, wenn sie das Thema Organ- und Gewebespende ansprachen.
Knapp die Hälfte der beratenden Ärztinnen und Ärzte gab an, dass die Patientinnen und Patienten in den Informationsgesprächen der Organ- und Gewebespende grundsätzlich positiv gegenüberstehen und sich zu einer Spende bereit äußerten (46 %).
Die Broschüre „Beratung zur Organ- und Gewebespende. Manual für das Arzt-Patienten-Gespräch“, die sich an die Hausärztinnen und Hausärzte selber richtet, genügte 68 % der befragten Ärztinnen und Ärzte, die Informationsgespräche geführt haben, zur Vorbereitung.
Die befragten Ärztinnen und Ärzte äußerten für die Beratung ihrer Patientinnen und Patienten vor allem den Wunsch nach Informationen zu medizinischen Themen.
Acht von zehn der befragten Ärztinnen und Ärzte verwendeten in ihrer Praxis Organspendeausweise (81 %), zwei Drittel Broschüren und/oder Flyer zur Organ- und Gewebespende (66 %).
Laut der Befragung sind die meisten Ärztinnen und Ärzte an Informationsmaterial der BZgA interessiert (90 %).
An einer Fortbildungsveranstaltung zur Organ- und Gewebespende haben bereits 20 Prozent der befragten Ärztinnen und Ärzte teilgenommen. An einer (weiteren) Fortbildung zu dem Thema waren vier von zehn Befragten interessiert (41 %), während knapp ein Drittel (34 %) kein Interesse äußerte.
Persönlich stehen die befragten Ärztinnen und Ärzte der Organ- und Gewebespende ganz überwiegend eher positiv gegenüber (88 %). Acht von zehn der befragten Ärztinnen und Ärzte haben bereits eine Entscheidung getroffen (83 %, n = 297). Von ihnen würden 85 Prozent ohne Einschränkungen und 7 Prozent mit Einschränkungen einer Organ- und Gewebespende zustimmen. Acht von zehn Ärztinnen und Ärzten, die eine Entscheidung zur Organ- und Gewebespende getroffen haben, waren zum Zeitpunkt der Befragung sicher (48 %) oder eher sicher (31 %) ihre Entscheidung im Organspende-Register eintragen zu wollen.
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